| |
Next: A.7.1 Das neuronale Korrelationsmodell
Up: A Geschichtlicher Abriß
Previous: A.6.1 Ortstheorien
Aber auch mit der Fülle und dem Erfolg der spektralen Mustererkennungstheorien war das Ende der Forschung über Tonhöhenwahrnehmung noch lange nicht erreicht.
Einige Punkte, die zu spektralen Theorien gesagt werden müssen:
- Es gibt keinen bekannten neuronalen oder anatomischen Mechanismus, der eine genaue Frequenzanalyse vornehmen kann.
- Viele Ergebnisse psychophysikalischer Experimente lassen sich nicht beschreiben, vor allem, wenn sie nicht in den Lernprozess aufgenommen wurden.
- Spektrale Theorien nehmen nicht für sich in Anspruch, physiologische Modelle zu sein. Sie beruhen nicht auf anatomischen oder physiologischen Erkenntnissen. Sie benutzen die Möglichkeiten von künstlichen neuronalen Netzwerken und besitzen deren Mächtigkeit, unterliegen aber auch deren Beschränkungen.
- Für spektrale Theorien ist die Tonhöhe ein Merkmal, das sich aus einem stabilen Zustand eines Netzwerkes unter bestimmten Eingaben ergibt. Sie erklären nicht, warum die Tonhöhe eine besondere Beseutung für Kommunikation hat. Im Prinzip könnten mit den Methoden der spektralen Theorien komplette Signalanalysen vorgenommen werden. Diese Analysen sind viel umfangreicher, als es ein biologisches System benötigt.
Spektrale Theorien stellen eine gute Beschreibung eines abstrakten Modells des Systems der Tonhöhenanalyse dar. Sie können für viele Effekte eine Vorhersage von Experimenten machen, aber sie stellen kein physiologisches Modell dar. Sie wollen nicht beschreiben, wie der akustische Funktionsapperat des Menschen aufgebaut ist. Wenn die Fragestellung ist, in einem übersichtlichen Modell zu beschreiben, was das menschliche Ohr zu leisten in der Lage ist, dann ist die zeitliche Theorie von Terhard eine gute Beschreibung. Wenn die Fragestellung ist, wie das Gehör des Menschen funktioniert, dann muß man sich anderen Theorien zuwenden.
|
| |
|
|