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A.6.1 OrtstheorienSpektrale Theorien basieren auf der Grundlage einer Mustererkennung. Dabei findet ein großer Teil der Analyse schon auf der Cochlea statt. Die Vorraussetzung dafür ist, daß die Basilarmembran in der Lage ist, mit hoher Genauigkeit eine Zerlegung der Frequenzen zu leisten. Diese ,,Ortstheorien`` [43] nehmen an, daß die dabei aufgelösten Frequenzen in einem neuronalen Prozessor mit einem Mustererkennungsprozeß weiterverarbeitet werden.
Ein Vertreter dieser Gattung von Theorien ist die ,,virtuelle Tonhöhentheorie`` von Terhardt A.6 [62]. Die Idee dieses Modells ist, daß die virtuelle Tonhöhe in etwa wie ein virtuelles Bild wahrgenommmen werden kann. Obwohl in Abbildung A.5 die Umrisse nicht gezeichnet sind, kann man sie doch wahrnehmen. Das Auge erzeugt sich die fehlenden Linien selbst. Wir erkennen im rechten Teil der Abbildung deutlich ein Quadrat, obwohl objektiv keins vorhanden ist.
Abbildung: Eine Analogie zwischen virtueller Tonhöhenwahrnehmung und virtuellen optischer Wahrnehmung. In diesen Bildern erkennen wir Strukturen, die objektiv nicht vorhanden sind.
Diese Modelle wurden durch Terhard und andere weiter verfeinert. Whightman schlug eine Mustererkennung der spektralen Klangkomponenten vor [34]. Goldstein entwickelte eine Theorie eines ,,optimalen Prozessors``, der eine genaue Analyse der aus den spektralen Komponenten entstehenden Muster vornimmt.
Beide Arten des Hörens führen in Terhards Modell zu Abbildungen der Tonhöhe in Mustern. In diesen Mustern stecken alle Informationen über virtuelle oder spektrale Tonhöhen. Dieses Muster wird von einem Msutererkennungsprozeß weiterverarbeitet.
Abbildung: Funktioneller Aufbau eines Modells zur Tonhöhenerkennung.
Die Muster entstehen aus dem Signal durch eine komplexe Verarbeitung. Die Funktionsweise des Modells ist in Abbildung A.6 skizziert. In einem Flußdiagramm ist der Weg der Verarbeitung von der Quelle (Signal) bis zu einer Abbildung in einem Muster der gewichteten Tonhöhen dargestellt.
Dieses Modell ist in der Lage, den ersten Effekt der Tonhöhenverschiebung zu erklären. Es verwendet dazu alle vorhandenen Partialtöne und errechnet daraus die verschobene Tonhöhe. Dieser Effekt wird in Terhards Modell gelernt. Er kann zwar nach dem Lernen quantifiziert werden, aber es besteht keine Notwendigkeit dafür, daß es zu einer Verschiebung kommt .
Durch die Annahme vieler freier Parameter bietet das Modell eine gute Möglichkeit der Beschreibung vieler psychoakustischer Phänomene. Es wurde durch sehr viele Meßergebnisse kalibriert und kann viele Effekte beschreiben.
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