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2 Fragestellung
Am Beginn der vorliegenden Arbeit stand vor allem die Fragestellung, wie man die Effekte der Tonhöhenverschiebung erklären könne. Die vorhandenen Beobachtungen riefen damals einige Fragen hervor, deren Beantwortung meine Arbeit dienen sollte: Wie sind die Sprünge in den Messungen bei Versuchen mit nichtharmonischen AM zu erklären? Wie entsteht die Wahrnehmung der ,,fehlenden Grundfrequenz`` (missing fundamental)? Gibt es eine Art Quantelung des Hörens in Vielfachen der Frequenz von 0.4ms?
Es bot sich an uns den Fragen zu nähern, indem wir weitere und genauere Experimente zur Tonhöhenverschiebung machten.
Zur Erklärung der Eigenschaften von Neuronen im Colliculus inferior schlug Langner [41, 40] ein Modell vor, das in der Lage ist, zeitliche und spektrale Informationen gleichzeitig zu verarbeiten. Dieses Modell hat sich schon zuvor bewährt und wurde in einer Simulation getestet, allerdings nur für ein Frequenzband. Das Modell beschreibt auf neuronaler Ebene ein Netzwerk von Einheiten, die als Neurone in den entsprechenden Regionen des Colliculus inferior und des Nucleus cochlearis gefunden wurden.
Die Sprünge in den Meßreihen wurden bisher am besten in Experimenten mit Tonhöhenverschiebung gefunden. Zwei dieser Messungen sind in Abbildung 2.1 gezeigt. Deutlich sind die Sprünge in diesen Meßreihen bei Vielfachen einer Periodendauer von 0.4ms zu sehen. Da das Korrelationsmodell in seiner vorgestellten Form diese Sprünge erklären kann oder sie sogar fordert, lag es nahe, diese Untersuchungen in Hinblick auf die Sprünge zu intensivieren. Zur Klärung obiger Fragen und zur Untersuchung dieser Phänomene sollte ich Untersuchungen mit musikalisch gut trainierten und Absoluthörern machen, von denen wir uns einige Ergebnisse erhofften, die der Klärung der Fragen dienlich sein sollten. Im Verlauf der Experimente führte ich Versuche mit Absoluthörern durch, die so überraschende Ergebnisse brachten, daß die wir die Fragestellung auf einen neuen Schwerpunkt verschoben. Es schien durch die Experimente möglich geworden zu sein, eine Theorie vorzuschlagen, die das Phänomen der absoluten Tonhöhenwahrnehmung erklären könnte. Im Zuge dieser Frage untersuchte ich einige neue Phänomene, die im Zusammenhang mit der neuen Theorie der absoluten Tonhöhenwahrnehmung standen. Die Experimente mit Tonhöhenverschiebung wurden deshalb auf die Absoluthörer erweitert und unter neuen Gesichtspunkten durchgeführt. Am Anfang der Untersuchungen mit Absoluthörern stand die Vermutung, daß sie auf Experimente mit Tonhöhenverschiebung anders reagieren würden als Relativhörer. Als Vermutung stellten wir zwei Hypothesen auf: Entweder sollten Absoluthörer besonders gut in der Lage sein, der Tonhöhenverschiebung zu folgen, weil sie ,,besser`` hören, oder sie sollten ein ganz anderes Verhalten zeigen als Relativhörer. Wir vermuteten, daß sie in der Lage sein sollten, konstant die Modulationsfrequenz zu hören oder konstant ein Vielfaches von 0.4ms. Diese beiden Hypothesen sollten im Experiment geprüft werden.
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